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Den Teufelskreis Harnwegsinfektion durchbrechen, aber wie?

Foto: Fernando Brasil via Unsplash

Gisele Schön

Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin
Kontinenz- und Stomaberaterin

Die Frage beantwortet Gisele Schön (71). Sie ist diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin sowie Kontinenz- und Stomaberaterin. Die Praktikerin beschäftigt sich seit 1994 mit Inkontinenz, schult Pflegende und berät Betroffene. Ihre langjährigen Erfahrungen gibt Gisele Schön auch in Büchern* weiter.

Gisele Schön, wie entsteht und wie zeigt sich eine Blasenentzündung?

Ein Harnwegsinfekt (Zystitis) entsteht, weil Keime in der Blase Probleme machen. Sie gelangen von außen in den Harnweg, steigen bis zur Blase auf und vermehren sich dort. Ab einer bestimmten Keimzahl spüren Betroffene Schmerzen, verstärkten Harndrang und mit fortschreitender Blasenentzündung finden sich auch Blutschlieren im Urin. Schlimmstenfalls erfasst die Infektion auch die Nieren, die den Harn produzieren. Auf Dauer kann sich auch eine sogenannte Dranginkontinenz (überaktive Blase) einstellen.

Was sind das für Keime?

Jeder von uns hat seine „Hauskeime“, mit denen der gesunde Körper leicht fertig wird. Kämpft der Körper mit einer Erkrankung, Stress oder einer schiefen Hormonlage, ist auch seine Abwehr geschwächt. Keime haben dann leichteres Spiel, in die Harnröhre und Blase aufzusteigen. Die Keime können aus dem äußeren Intimbereich und aus der Afterregion stammen. Dabei handelt es sich meistens um E.coli-Bakterien.

Laut Berufsverband der Österreichischen Urologen [bvU] leiden rund 2,2 Millionen Frauen in Österreich einmal im Leben an der Zystitis. Jede 7. Frau  ist einmal im Jahr betroffen.

(Quelle: Berufsverband der Österreichischen Urologen; http;//www.urologisch.at/harnwegsinfekte.php [Zugriff: 10. April 2021)

Wer ist besonders betroffen?

Am häufigsten wir Frauen, unterschiedlichen Alters. Das liegt zum einen daran, dass unsere Harnröhre wesentlich kürzer ist als die der Männer, wodurch Bakterien einen kürzeren „Aufstiegsweg“ in die Blase haben. Zum anderen beeinflusst der typischerweise wechselnde Hormonspiegel in Zyklus, Schwangerschaft, Stillzeit, durch Verhütungsmethoden und Wechseljahre den Aufbau der Schleimhaut in der Harnröhre. Sind die Hormone ausgeglichen, haben junge, gesunde Frauen eine widerstandsfähige Schleimhaut, die sich gegen Keime gut zu wehren weiß. Mit Hormonwechsel und Alter wird die Schleimhaut dünnwandiger, sodass Keime leichter vordringen können. Darum ist es sehr wichtig, in jeder Altersklasse auf die Blasengesundheit zu achten.

Was raten Sie Frauen mit einer akuten Harnwegsinfektion?

  • Ernähren Sie sich gesund, achten Sie auf eine ausreichende Nährstoffzufuhr.
  • Verzichten Sie unbedingt auf Zucker, der ist ein wahrer Festschmaus für die Keime!
  • Trinken Sie viel und gehen Sie häufig auf die Toilette. So spülen Sie die schädlichen Keime regelrecht aus!
  • Versuchen Sie gar nicht erst, lange die Schmerzen mit einem Schmerzmittel zu betäuben, sondern gehen Sie sofort zu einem Facharzt!
  • Fühlen Sie sich mit Ihren Beschwerden bei Ihrem Arzt nicht gut aufgehoben, wechseln Sie den Arzt!
  • Und ganz wichtig: Werden Sie mit Antibiotika behandelt, sollten Sie diese unbedingt wie vorgeschrieben einnehmen! Denn sobald Sie dabei nachlässig werden, gewinnen die Keime wieder die Oberhand.
  • Auch pflanzliche Produkte aus der Apotheke sollten in der Akutphase bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen in Betracht gezogen werden.

Aktuelle S3-Leitlinie: D-Mannose ist explizit empfohlen bei häufig rezidivierendem unteren Harnwegsinfekt (Zystitis) der Frau. 

(Quelle: Wagenlehner F.,et al., “Interdisziplinäre S3 Leitllinie Epidemiologiem, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen
Patienten Aktualisierung 2017.” Deutsche Gesellschaft für Urologie, 2017.)

Jede zweite Österreicherin erlebt einmal im Leben einen Harnwegsinfekt¹. Ein Viertel davon leidet sogar mehrmals unter der lästigen Infektion. Lässt sich dem auch gezielt vorbeugen?

Gesunde Ernährung und eine ausreichende Nährstoffzufuhr sind nicht nur zur Behandlung sondern auch zur Vorbeugung einer Harnwegsinfektion wichtig. Oft tritt diese wiederholt auf. Viele Betroffene spüren schon recht früh, dass sie sich anbahnt. Gerade dann lohnen sich pflanzliche Alternativen, welche in der Apotheke erhältlich sind. Ein besonderes Augenmerk sollte auf Produkte gelegt werden, die eine Kombination aus Cranberry und D-Mannose enthalten. Besonders die D-Mannose hat einen durch Studien belegten positiven Effekt bei akuten und wiederkehrenden Harnwegsinfekten.

*Gisele Schön, Marco Seltenreich: „Wenn Blase und Darm nicht mehr halten, was sie versprechen. Inkontinenz und was man dagegen tun kann – das Buch, das etwas verändert!“, Facultas Verlags- und Buchhandels AG, 2017

¹ http://www.urologisch.at/harnwegsinfekte.php

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