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Eins plus eins macht drei …

Bruna & Cindy. Photo: ZVG

… die Rechnung geht auch bei gleichgeschlechtlichen Paaren auf. Wie sie sich mit Tochter Maya ihren Kinderwunsch erfüllten, berichten die Eheleute Cindy (39) und Bruna (34) Leyrer-Wunderlich.

Cindy und Bruna, wie habt ihr euch kennengelernt?

Cindy: Morgens früh um vier Uhr auf einem Tauchboot vor der Küste Thailands. Wir machten dort im Jänner 2018 Urlaub und wurden einander als Tauchpartner zugeteilt. Wir schauten uns in die Augen … und es war Liebe auf den ersten Blick.

Bruna: Ich bin Brasilianerin, und nachdem wir uns zunächst gegenseitig besuchten, zog ich im Frühjahr nach Wien, im Sommer heirateten wir.

Wann kam euer Kinderwunsch auf?

B: Ich wollte schon immer ein Kind. Und als Gynäkologin bin ich auch immer ganz nah dran am Thema!

C: Ein Kind stand früher nicht weit oben auf meiner Wunschliste, ich war eher eine Partymaus. Als ich älter wurde, rutschte der Wunsch zwar immer höher, doch ich wusste auch: Ein Kind möchte ich nur mit dem richtigen Partner. Bruna ist die Richtige. Eine solche Frau wünsche ich jedem an die Seite.

Cindy, im März, am Internationalen Frauentag, kam eure Maya zur Welt. Warum und wie wurdest du schwanger?

C: Ich bin zum einen älter als meine Frau. Zum anderen hatte ich einen Job, konnte also abgesichert in Karenz gehen.

B: Und ich möchte erst einmal Fuß fassen in meiner neuen Heimat Wien. Ich lerne intensiv Deutsch und kümmere mich um die Anerkennung meiner Zeugnisse, damit ich hier bald als Gynäkologin arbeiten kann.

C: Zuerst baten wir einen Freund um eine Samenspende, der schlug die Bitte aber aus. Im Nachhinein sind wir darüber froh, denn mit einem Spender aus dem engen Freundeskreis erwachsen später vielleicht doch Probleme, die die Gefühle von ihm, uns oder unserem Kind verletzen. Schnell fiel unsere Entscheidung, die Samenspende eines Fremden zu verwenden. Nach einer offenen Beratung in einer Kinderwunschklinik fanden wir unseren Samenspender schließlich in der European Sperm Bank in Kopenhagen. Wir bestellten gleich zwei Portionen desselben Spenders …

B: … weil ich damit auch noch schwanger werden will!

C: Und ich wurde bei der ersten Samenübertragung schwanger.

Nach welchen Kriterien habt ihr den Samenspender ausgewählt?

B: Zu jedem Spender gab es einen Berg an Infos zu Aussehen, Charakter, Gesundheit, Bildung, Herkunft und Werdegang. Wir wissen wahrscheinlich mehr über unseren Spender als so manche Frau über ihren Partner (lacht). Weil wir jedoch einen brauchten, der sich mit Cindys Blutgruppe „verträgt“, standen am Ende drei Männer zur Wahl. Wir lauschten ihren Stimmaufnahmen und entschieden uns.

Werdet ihr Maya und ihrem noch geplanten Geschwisterchen eines Tages erzählen, wer sie mitgezeugt hat?

C: Auf jeden Fall. Deshalb haben wir einen sogenannten offenen Spender gewählt, der bereit zum Kontakt ist, wenn Maya diesen später wünscht.

Bruna, wie war und ist es für dich, Cindy in Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit zu sehen?

B: Ich bin so stolz auf Cindy, auf uns beide als Paar und Eltern. Mit der Aussicht auf eine eigene Schwangerschaft genieße ich Cindy und Maya in vollen Zügen und versuche, immer für beide helfend da zu sein. Ich sehe mich in der Verantwortung, eine Beziehung zu Maya aufzubauen. Als Ärztin, sprich Wissenschaftlerin, von werdenden Müttern weiß ich, dass Mutterliebe keine Selbstverständlichkeit ist. Eine Familie zu gründen, ist sicher einfacher, als eine zu sein. Das ist Arbeit – und die scheuen weder ich noch meine Frau.

Was ist euch wichtig, wenn ihr Maya heranwachsen seht?

C: Maya ist, wie sie sein soll: wild, neugierig, stark, aufgeweckt. Sie wird uns sicher überraschen. Wir wünschen uns, dass sie ein glücklicher und zufriedener Mensch wird.

B: Wir werden alles dafür tun, dass Maya in einer Shame-free-Umgebung*, in Liebe und Geborgenheit aufwächst.

Bruna, Cindy, herzlichen Dank für dieses offene Gespräch!

* In Anlehnung an das Buch von Rachel Hollis: Brene Brown – The Power of Vulnerability

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