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Hand in Hand ist man weniger allein

Nadja Kapeller. Photo: DAS BIN iCH/Ines Thomsen Photography

Die Diagnose: Brustkrebs. Ein Schock. Wie soll man damit leben? Von Nadja Kapeller kommen wahre Geschichten und ehrliche Antworten.

Was ist DAS BIN iCH und was war für die Gründung dieser Initiative ausschlaggebend?

DAS BIN iCH ist eine Plattform, die Betroffenen zeigt, dass sie nicht alleine sind. Ausschlaggebend für die Gründung dieser Plattform war für mich folgende Situation: Während meiner Chemotherapie wurde ein Gentest gemacht. Das Ergebnis: BRCA1-positiv. Bei dieser Genmutation gibt es die Möglichkeit, sich die Brüste präventiv entfernen zu lassen. Ich hatte fünf Monate Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Das war für mich eine äußerst schwere Entscheidung, denn mir wurde zu den drei Optionen für den Wiederaufbau jeweils nur ein Bild der OP-Variante gezeigt. Das war mir zu wenig. Ich hätte mir gerne ganz viele Bilder in Ruhe zu Hause angesehen. Des Weiteren hätte ich gerne auch mit betroffenen Personen über ihre Erfahrungen gesprochen. Das war der Anstoß zur Idee von DAS BIN iCH. Ich bat meine langjährige Freundin, Profifotografin Ines Thomsen, unverfälschte Bilder von meinem Körper zu machen – vorerst nur für meinen Blog. Das war ein so spannen- des, verwöhnendes und heilsames Erlebnis, dass wir es für andere Betroffene auch möglich machen wollten. Hierfür holten wir Medien- und Kommunikationsexpertin Julia Kurbatfinsky ins Boot und DAS BIN iCH war geboren.

Was wollt ihr bewirken?

Ziel von DAS BIN iCH ist es, mit Bildern und persönlichen Geschichten Mut zu machen, Hoffnung zu schenken und das allgemeine Bewusstsein für Brustkrebs sowie dessen Enttabuisierung zu fördern. Mit ästhetischer und authentischer Fotografie möchten wir Menschen dabei unterstützen, den – durch Therapien und Erkrankung – veränderten Körper wieder besser anzunehmen, vielleicht auch lieben zu lernen. Weiters möchten wir die Selbstbestimmung Betroffener fördern, denn nur ein aufgeklärter Patient kann die richtigen Fragen stellen und auch passende Entscheidungen treffen. Mir ist es zudem ein großes Anliegen, dass auch junge Menschen – so- wohl Frauen als auch Männer – ihre Brüste monatlich abtasten. Nur wer seine Brüste von Anfang an gut kennt, weiß, wie sich eine gesunde Brust anfühlt. Ab einem Alter von 45 Jahren startet dann automatisch das Früherkennungsprogramm mittels zweijähriger Mammografie. Wichtig ist zu sagen, dass sich nicht jeder Knoten ertasten lässt, aber auch nicht jede Veränderung in der Mammografie sichtbar ist. Daher ist immer die Kombination aus Mammografie, der jährlichen Tastuntersuchung durch den Arzt und dem monatlichen Selbstabtasten der optimale Weg zur Früherkennung. Denn je früher Krebs erkannt wird, desto besser und leichter ist er behandelbar!

Was sind die brennendsten Fragen, die sich am Anfang einer Brustkrebserkrankung stellen?

Werde ich überleben? Was kommt jetzt auf mich zu? Wie erzähle ich es meinen Lieben (Eltern, Kindern, Partner etc.)? Wie schaffe ich den Alltag mit kleinen Kindern und Chemotherapie? Werde ich meine Haare verlieren? Verliere ich meine Brust beziehungsweise meine Brüste? Wird mich mein Partner verlassen? Wie lang muss ich nach der OP im Krankenhaus sein? Kann ich nach der Therapie noch Kinder bekommen?

Wo muss sich in der Therapie und Aufklärungsarbeit noch einiges ändern?

Das Thema „Gesundheitspflege“ sollte meiner Meinung nach bereits in der Schule seinen Platz finden. Hier sollte vermittelt werden, was man selbst zu seiner körperlichen, seelischen und geistigen Gesundheit beitragen kann. Das ist jedoch Zukunftsmusik. Aktuell wäre es meiner Meinung nach äußerst wichtig, dass jeder Patient über die Vorteile von Bewegung während und auch nach der Therapie aufgeklärt wird. Bewegungsangebote auf Rezept wären optimal. Weiters sollte bei jedem Diagnosegespräch ein Psychoonkologe zur Unterstützung anwesend sein. Und ich würde mir ein offenes Ohr für Komplementärmaßnahmen und bessere Arbeitsbedingungen für das Gesundheitspersonal wünschen, sodass zum Beispiel mehr Zeit für die Patienten-Arzt-Kommunikation bleibt.

Wichtige Tipps und Zusatzinformationen

Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs. Es gibt aufgrund der Tumorbiologie so viele unterschiedliche Formen und nicht jeder Brustkrebs muss mit Chemotherapie behandelt werden oder endet mit der Amputation der Brust. Gerade durch Früherkennung kann in den meisten Fällen brusterhaltend operiert werden. Sollte der Tumor bereits gestreut haben, bedeutet das auch kein sofortiges Todesurteil. Durch verbesserte Therapien kann man hier mittlerweile schon von einer chronischen Erkrankung sprechen, die oftmals über viele Jahre gut therapiert werden kann. Und das Allerwichtigste: Psychoonkologische Begleitung kann bei diesen Fragestellungen eine unglaubliche Stütze sein. Falls im behandelnden Team keine psychoonkologische Begleitung angeboten wird, unbedingt bei der Krebshilfe (Beratung, finanzielle Unterstützung etc.) melden: www.krebshilfe.at


Tipp zur Früherkennung:
Man kann sich auf der Website www.früherkennen.at freiwillig zu einem Früherkennungsprogramm (ab 40 Jahre und über das 69. Lebensjahr hinaus) anmelden. www.dasbinich.at

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