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Regelschmerzen sind nicht normal – Endometriose

Photo: ensuria via iStock

1 von 10 Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens, im fortpflanzungsfähigen Alter, an Endometriose. Endometriose ist eine chronische Schmerzerkrankung und wird das Chamäleon der gynäkologischen Erkrankungen genannt, da es sich bei jeder Betroffenen anderes auswirkt und zeigt. Dabei siedeln sich Zellen, die der Gebärmutterschleimhaut sehr ähnlich sind, außerhalb der Gebärmutter an. Fortpflanzungsfähig oder auch gebärfähig hört sich immer etwas skurril und nüchtern an. Was bedeutet das? Sobald die Pubertät einsetzt bis zu den Wechseljahre (= Zeit in der die Hormonproduktion in den Eierstöcken langsam erlöscht) sind Frauen fortpflanzungsfähig. Das ist eine enorme Zeitspanne und leider kann man aktuell nicht sagen wann Endometriose beginnt/wovon sie ausgelöst wird.

Eines der häufigsten Symptome sind starke Regelschmerzen. Leider ist das immer noch ein sehr tabuisiertes Thema, aus diesem Grund ist gerade bei jungen Mädchen die Scham darüber zu sprechen sehr groß. Wenn sie sich dann durchringen darüber zu sprechen und auf jemanden zuzugehen, dann werden sie meist abgetan als „Regelschmerzen sind normal“ oder „stell dich nicht so an“, „du bist eine Heulsuse“. Wie es dann so ist, trauen sich die Mädchen dann das Thema nicht mehr anzusprechen, denn sie möchten keine Ziemperliese sein, wenn das alles doch normal ist. Nicht selten berichten Patientinnen sogar davon, dass sie ohnmächtig werden aufgrund der starken Schmerzen. Hier fehlt es, unserer Meinung nach, an der Enttabuisierung und Aufklärung über alle Aspekte des weiblichen Körpers. Ein wichtiger Schritt wäre es, dass bereits im Elternhaus frühzeitig eine Aufklärung statt findet oder zumindest in Schulen. Würde bereits in der Schule ausführlich aufgeklärt werden – eben auch, dass starke Regelschmerzen nicht normal sind – so würden später auch erwachsene Frauen wohl früher zu einer Diagnose kommen, da sie ihren Körper kennen und daher eine Abklärung einfordern. Sie würden sich auch nicht damit zufrieden geben, wenn sie ein Arzt nicht ernst nimmt oder vielleicht sogar meint, sie „bildet sich das alles nur ein“.

Neben den Regelschmerzen kommt es auch oft vor, dass Frauen Schmerzen beim und nach dem Sex haben. Auch darüber sprechen die wenigstens. Selbst erwachsene Frauen schämen sich dafür. Da selten darüber gesprochen wird, denken die meisten Betroffenen, sie sind ein Einzelfall und ganz alleine damit.

Oftmals gehen Verdauungsprobleme und Beschwerden beim Harnlassen und Stuhlgang einher.

Durch die anhaltenden Entzündungen im Körper ist auch das Immunsystem anfälliger für jegliche Art von Infekten.

Nicht zuletzt ist der unerfüllte Kinderwunsch ein zentraler Punkt. Wenn das ersehnte Einsetzen einer Schwangerschaft nicht eintritt startet eine Reihe von Untersuchungen. Häufig werden Paare dann mit der Diagnose Endometriose konfrontiert.

Ein weiteres häufiges Symptom sind Abgeschlagenheit und Erschöpfung. Der Körper ist quasi durchgehend damit beschäftigt sich gegen die Erkrankung zu wehren bzw. damit klar zu kommen. Die restliche Energie wird dafür benötigt den Alltag zu bestreiten. Das Resultat ist, dass die Erschöpfung so groß werden kann, dass an Freizeitaktivitäten nur noch unter großen Einschränkungen teilgenommen werden kann. Darunter leidet dann nicht nur die Erkrankte sondern auch deren gesamtes Umfeld wie Familie, Freunde, Partner – was wiederum einen enormen Druck aufbaut.

Aufgrund der immer noch Unbekanntheit dieser Erkrankung und das Frauen immer noch Scham empfinden wenn sie über ihren Körper sprechen, dauert die Diagnosefindung bis zu 6 Jahren! 6 Jahren der Ungewissheit, Schmerzen, Einschränkungen, und und und.

Im Moment kann eine sichere Diagnose nur mittel Laparoskopie gestellt werden. Bei dieser wird ein kleiner Schnitt am Bauch gesetzt und Zysten, Verwachsungen und Herde entfernt. Außerdem wird Gewebe entnommen welches anschließend histologisch untersucht wird.

Die Forschung über Endometriose ist immer noch viel zu gering. Daher weiß man kaum etwas über die Entstehung, viel zu wenig über Diagnose- und Therapiemöglichkeiten.

Auf unserer Homepage www.eva-info.at ist alles über Endometriose nachzulesen. Wenn bei Ihnen, Ihrer Frau, Freundin oder Schwester oben genannte Beschwerden bekannt sind, dann können wir nur empfehlen eines der zertifizierten Endometriosezentren aufzusuchen um dies abklären zu lassen. 

Zum jetzigen Zeitpunkt ist Endometriose nicht heilbar. Das bedeutet, dass Betroffene ein gutes Selbstmanagement entwickeln müssen. Sie müssen sich für sich selbst stark machen und Eigenverantwortung übernehmen. Sie müssen Strategien entwickelt um mit der Diagnose und den Beschwerden zurecht zu kommen.

Wir als Endometriose Vereinigung Austria – kurz EVA  – helfen ihnen dabei. Wir versuchen Patientinnen dort abzuholen wo sie gerade stehen. Wir zeigen auf: Du bist nicht alleine! Im Zuge von Beratungen in unserem Forum, per Mail oder telefonisch sind wir für Betroffene da. Wir organisieren Treffen sowohl Online als auch persönlich um die Möglichkeit zu bieten sich mit uns und anderen Frauen auszutauschen, Fragen zu klären und ein Netzwerk aufzubauen.

Auch Ärzt/innen und Zentren stehen wir im Umgang mit Endometriose-Patientinnen zur Verfügung. Wir setzen uns allgemein für die Bekanntmachung, Information und Aufklärung über diese häufige aber trotzdem noch unbekannte Erkrankung ein.

Sie möchten mehr erfahren?

Besuchen Sie die Website www.eva-info.at und informieren Sie sich weiter!

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